„Bereicherung fürs Unternehmen“: Die 29 kolumbianischen Elektro-Fachkräfte von Elektro Kreutzpointner zusammen mit Firmenverantwortlichen und Integrationshelfern beim Gruppenfoto am Kreutzpointner-Stammsitz Burghausen.
„Bereicherung fürs Unternehmen“: Die 29 kolumbianischen Elektro-Fachkräfte von Elektro Kreutzpointner zusammen mit Firmenverantwortlichen und Integrationshelfern beim Gruppenfoto am Kreutzpointner-Stammsitz Burghausen.

Fachkräfte aus Kolumbien: Deutsche Vorreiterrolle für Kreutzpointner

Das Burghauser Elektrotechnik-Unternehmen hat 29 südamerikanische Elektrofachkräfte angeworben und integriert sie erfolgreich - Lizeth und José im Interview über ihren beruflichen und persönlichen Neustart bei Kreutzpointner in Burghausen

Burghausen/Bogotá. Seit Herbst gehören sie zum Mitarbeiterteam bei Elektro Kreutzpointner und wurden dort begeistert aufgenommen: 28 Männer und eine Frau aus Kolumbien sind jetzt als gut ausgebildete Elektroniker in verschiedenen Einsatzbereichen der Firma tätig. Das inhabergeführte Unternehmen aus dem südostbayerischen Burghausen hat die kolumbianischen Fachkräfte über ein Vermittlungsprojekt der Bundesagentur für Arbeit angeworben. Mit der Teilnahme befindet sich Kreutzpointner zusammen mit einem großen Immobilienkonzern in einer bundesweiten Vorreiterrolle, um dem akuten Fachkräftemangel in Deutschland zu begegnen.        

Initiiert wurde das ungewöhnliche Anwerbungsprojekt bereits im Frühjahr 2022 von Markus Nußbaumer. Er nutzte als Kreutzpointner-Geschäftsführer seine Netzwerkkontakte bei der Arbeits- und Handelskammer Kolumbien und bei der ZAV (Zentrale Auslands- und Fachvermittlung) der deutschen Bundesagentur für Arbeit (BA). Hier wurde er auf das BA-Projekt „TEAM“ aufmerksam: Vor dem Hintergrund einer dem dualen deutschen Ausbildungssystem sehr ähnlichen Fachkräfteausbildung und einer extrem hohen Arbeitslosigkeit im Land unterstützt die kolumbianische Arbeitsverwaltung SPE das Projekt „TEAM“, über das Fachkräfte aus Kolumbien für deutsche Unternehmen angeworben werden können. Basis für die Mitarbeitergewinnung außerhalb der EU ist das 2020 in Kraft getretene deutsche Fachkräfteeinwanderungsgesetz, das unter anderem auch die Anerkennung bereits vorhandener Ausbildungsabschlüsse beschleunigt.

„Anfänglich lockere Gespräche mit den dortigen Verantwortlichen wurden immer konkreter und vielversprechend für uns, so dass sich Kreutzpointner zur Teilnahme am TEAM-Projekt entschied“, sagt Markus Nußbaumer. Elektro Kreutzpointner, in der Unternehmensgruppe rund 1.300 Beschäftigte groß, ist nun bundesweit eine der ersten Firmen, welche das Fachkräfteeinwanderungsgesetz aktiv zur Rekrutierung nutzt. Nußbaumer betont: „Wir setzen natürlich weiterhin den eindeutigen Fokus auf den regionalen Arbeitsmarkt in Bayern, insbesondere bei der Ausbildung. Aber wir sehen in unserem Kolumbien-Projekt eine tolle Chance, um die Problematik des Fachkräftemangels in unserer Firma abmildern zu können.“ 

Bewerbungsrunden in Bogotá
Um die neuen Elektrotechnik-Fachkräfte für Kreutzpointner zu finden, hatte die kolumbianische Arbeitsverwaltung intensiv unter anderem über ihre sozialen Medien geworben. Einige hundert Frauen und Männer, zwischen 25 und 30 Jahre alt, bewarben sich. Von Oktober 2022 bis November 2022 fanden dann in der kolumbianischen Hauptstadt Bogotá und auch online die Gespräche von 31 Bewerbern mit Vertretern von Kreutzpointner statt. Geleitet und erfolgreich umgesetzt wurde das Projekt durch Jacqueline Kreutzpointner (25), die im Familienunternehmen für International Recruiting und Marketing verantwortlich ist. Zusammen mit Kollegen aus den Kreutzpointner-Fachbereichen flog sie zweimal nach Bogotá. „Einen Bewerber konnten wir aufgrund seiner Sprachkenntnisse sofort zu uns nach Deutschland holen“, so Markus Nußbaumer: „Carlos hat sich schon top integriert und wird bei seinen Kollegen und Vorgesetzten an unserem Industrietechnik-Standort in einem der großen Burghauser Chemiewerke sehr geschätzt.“

Für die anderen erfolgreichen Bewerber begann der Sprung in das gut 9.400 km entfernte bayerische Burghausen zunächst mit mehrmonatigem Unterricht an der deutschen Sprachenschule in Bogotá. Nach Abschluss der Deutschprüfungen reisten im vierten Quartal letzten Jahres 28 Kolumbianer und eine Kolumbianerin nach Deutschland und starteten ihre Kreutzpointner-Karriere und ihr neues Leben in Burghausen. Eingesetzt werden sie seither vor allem in den Kreutzpointner-Geschäftsbereichen Industrietechnik, Gebäudetechnik und im Schaltanlagenbau. „Wichtig war dafür natürlich die Anerkennung der kolumbianischen Fachberufsabschlüsse durch unsere deutschen Kammern“, sagt Nußbaumer.

Erfolgreiche Integration
Um die sprachliche und die persönliche Integration der neuen kolumbianischen Mitarbeiter bei Kreutzpointner in Burghausen von Beginn an zu erleichtern, investiert die Firma viel Zeit. Auch zwei in Burghausen bereits länger ansässige Kolumbianerinnen wurden in das Team von Jaqueline Kreutzpointner aufgenommen und unterstützen seither das Projekt und die Integration ihrer Landsleute. Ebenso die deutschen Kollegen, die mit großem Engagement helfen: So müssen den Kolumbianern beispielsweise die deutschen Technikbegriffe – von den Zangen bis hin zum Kabel – erklärt werden, denn dies ist bei den Sprachschulen nicht im Paket. „Wir kümmern uns um die Wohnungssuche, leisten Unterstützung bei Behördengängen und Kontoanträgen, bei der Krankenkasse und vielem mehr. Oder auch der Alltag mit solchen Eigenheiten wie dem deutschen Pfandsystem oder dem bayerischen Dialekt: Das stellt unsere Neuen vor große Herausforderungen, für die wir helfend zur Seite stehen“, berichtet Jacqueline Kreutzpointner.

Erste positive Bilanz
Im Februar 2024, gute drei Monate nach ihrer Ankunft im winterlichen Burghausen, kann das Unternehmen eine erste positive Bilanz ziehen. „Wir sind sehr glücklich, dass wir uns für das Projekt entschieden haben. Inzwischen haben alle 29 Kolumbianer die Berufsanerkennung für Deutschland erhalten“, informiert Markus Nußbaumer. Die neuen Kollegen würden super in den Teams ankommen und man erhalte von Kollegen, Vorgesetzten, aber auch Kunden und sogar von den Vermietern sehr positives Feedback: „Wir hören, dass sie alle supernett und höflich sind“, freut sich Nußbaumer. Und auch Projektleiterin Jacqueline Kreutzpointner zeigt sich sehr zufrieden: „Es ist besonders erfreulich zu sehen, wie gut unsere Kollegen aus Kolumbien jetzt schon auf den Baustellen integriert sind und bereits die ersten bayerischen Wörter sprechen. Dies zeigt die Stärke unseres Kreutzpointner-Teams, das sich nicht nur technischen Herausforderungen stellt, sondern auch erfolgreich Integration lebt. Die gegenseitige Unterstützung und der Austausch zwischen den Kulturen bereichern unser Unternehmen und stärken auch intern ungemein den Zusammenhalt!“

Folgeprojekt gestartet
Inzwischen hat sich die Kunde von der erfolgreichen Integration der kolumbianischen Elektro-Talente über die Firma hinaus verbreitet und weitere Unternehmen aus der Region beteiligen sich am Kolumbienprojekt von Kreutzpointner – „auch einer unserer großen Industriekunden macht jetzt beim Projekt mit“, zeigt sich Markus Nußbaumer stolz. Elektro Kreutzpointner sieht sich durch den Erfolg bestärkt und setzt auf ein Folgeprojekt, das bereits im November 2023 gestartet wurde: Rund zwei Dutzend weitere Kolumbianer, die sich im Herbst noch beworben hatten, haben im Januar die Sprachschule begonnen und sollen dann im Herbst 2024 bei Kreutzpointner starten. „Wichtig ist uns bis dahin, dass sich unsere 29 schon hier ansässigen Kollegen weiter gut integrieren und auch ihre Familien – soweit vorhanden – nach Deutschland ziehen“, so Nußbaumer.
 

Lizeth und José: Zwei Kolumbianer über ihren Neustart bei Kreutzpointner in Burghausen   

Lizeth Senteno Martinez, 26 Jahre alt, Industrieelektrikerin: „Die Motivation für das Verlassen meiner Komfortzone in Bogotá kann ich so zusammenfassen: Obwohl ich in Kolumbien einen guten Job hatte und schon über Erfahrungen in der Elektroindustrie verfügte, wollte ich diese berufliche Gelegenheit bei Kreutzpointner nutzen, um unter anderem meine sprachlichen und kulturellen Kenntnisse zu erweitern. Hier in Deutschland ist natürlich die Sprachbarriere eine Herausforderung: Sich einer neuen Sprache, einem Dialekt oder einer Kultur zu stellen, lässt dich über deine eigenen Grenzen hinauswachsen und zeigt dir, dass du neue Herausforderungen annehmen kannst.
Besonders beeindruckend war anfangs für mich die Sicherheit, die ich hier in Deutschland empfunden habe. Ich erinnere mich, dass ich in den ersten Tagen mit etwas Misstrauen im schönen Burghausen spazieren gegangen bin, da die Sicherheitssituation auf den Straßen in Lateinamerika völlig anders ist.
Am Arbeitsplatz bei Kreutzpointner war es nicht schwer, mit den Kollegen zu interagieren. Sie sind geduldige Menschen und können sich gut verständigen, aber einige Verhaltensweisen haben mir die ersten kulturellen Unterschiede gezeigt. Die Firma Kreutzpointner hat uns sehr gut aufgenommen und unterstützt uns sowohl bei unseren bürokratischen als auch bei unseren emotionalen und psychologischen Prozessen.“

José Ricardo Chaves Barrera, 30 Jahre alt, Elektriker: „Ich habe die Entscheidung getroffen bei Kreutzpointner zu arbeiten, um ein besseres Gehalt zu erreichen und meine persönliche Entwicklung voran zu treiben. In den ersten Wochen in Deutschland war ich extrem beeindruckt von der Sicherheit und Sauberkeit der Straßen sowie der Ehrlichkeit der Menschen. Die deutsche Kultur fasziniert mich, insbesondere ihre Suche nach Perfektion. Die Aufnahme durch meine Kollegen bei Kreutzpointner hat meine Erwartungen übertroffen – die Zusammenarbeit mit ihnen ist sehr angenehm, und jeder bringt etwas Neues mit seinen Kenntnissen, Erfahrungen, Kultur und Tradition ein.
Demnächst werde ich Herausforderungen wie die Prüfungen für meinen Führerschein und den Kauf eines Autos bewältigen sowie die Papiere für die Familienzusammenführung bearbeiten. Außerdem meine Deutschkenntnisse verbessern und mich im Arbeitsbereich in die Ablesung von Schalttafeln und die deutsche Elektrik-Norm vertiefen.
Ich habe viele Ziele und Projekte für meine Zukunft hier in Burghausen: Die Gründung eines Zuhauses, die Erweiterung meines sozialen Umfelds und die Pflege meines Lieblingssport, des Kletterns, mit Hilfe des örtlichen DAV, des deutschen Alpenvereins. Im beruflichen Bereich hoffe ich auf eine Position mit mehr Verantwortung und darauf, mich durch Effizienz und Perfektion in meiner Arbeit auszuzeichnen.“

mko