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Kreutzpointner – dem Standort und Erfolg verpflichtet

Exklusiv-Interview der PNP-Heimatwirtschaft mit den Geschäftsführern Fritz Kreutzpointner und Florian Schneider

Heimatwirtschafts-Ressortleiter Dr. Ernst Deubelli vom Alt-Neuöttinger Anzeiger interviewte die Kreutzpointner-Geschäftsführung mit Fritz Kreutzpointner und Florian Schneider anlässlich des am 28. April 2018 stattfindenden Tags der offenen Tür in der neuen Kreutzpointner-Firmenzentrale.

Burghausen.
Mit Fertigstellung der neuen Zentrale, quasi an der Nahtstelle der Stadt Burghausen zur Industrie, hat das Familienunternehmen Kreutzpointner nicht nur gut sechs Millionen Euro in den repräsentativen Bau investiert, sondern zugleich die Weichen für weiteres Wachstum gestellt. Mit aktuell rund 1.100 Mitarbeitern und rund 100 Millionen Umsatz jährlich hat das Elektrounternehmen außerdem markante Wachstumsschwellen erreicht. In einem Interview mit Dr. Ernst Deubelli von der Redaktion Heimatwirtschaft des Alt-Neuöttinger Anzeigers stehen die Geschäftsführer Fritz Kreutzpointner und Florian Schneider Rede und Antwort.

Herr Kreutzpointner, als Sie vor rund 15 Jahren in das Familienunternehmen eingestiegen sind, war der Umsatz mit rund 40 Millionen Euro respektabel. Die Zahl der festen Mitarbeiter hatte bei gut 400 gelegen. Eine große Verantwortung, große Schuhe, die Ihr Vater und Ihr Großvater hinterlassen hatten. Und hohe Erwartungen. Sie hatten zudem gerade eine überaus erfolgreiche Karriere als Rennfahrer abgeschlossen, waren aber doch relativ neu im Elektrogeschäft. Hatten Sie sich damals die erfolgreiche Karriere als Unternehmer zugetraut?
Fritz Kreutzpointner:
Sie haben Recht, wenn Sie auf ein gewisses Misstrauen ansprechen, dem ich damals begegnet bin. Aber der inzwischen zurückgelegte Kurs, das Wachstum und wenn Sie so wollen, auch der Erfolg – das war tatsächlich meine Vision. Ohne klares Ziel und Durchsetzungskraft gibt es auch im Sport, zumal im Profisport, keine Erfolge.

Gibt es da Erfahrungen aus dem Rennsport, immerhin waren sie Europameister in mehreren Klassen, die sich an der Spitze eines Unternehmens nutzen lassen?
Fritz Kreutzpointner:
Die gibt es auf alle Fälle. Nüchterne Einschätzung der Herausforderungen. Und ich kannte das Potenzial, das in unserer Firma steckt. Kombiniert mit Tugenden aus dem Sport wie Teamgeist, flachen Hierarchien, Understatement und gesundem Ehrgeiz,  da war das Ziel der 1.000 Arbeitsplätze und der 100 Millionen Euro Umsatz durchaus realistisch. Und mit Hilfe der unglaublich guten Mitarbeiter sind die Ziele erreicht worden. Aber ich muss auch ganz klar herausheben, ohne die tolle Leistung der Vorgängergeneration wäre das Kalkül nicht aufgegangen. Und ich hatte bis dato Glück.

Herr Schneider, als Geschäftsführer sitzen Sie mit als Pilot im Cockpit des Unternehmens. Dabei hatten Sie bereits den Weg zu einer Hochschulkarriere eingeschlagen. Was hat Sie gereizt, in die Wirtschaft zu wechseln, mit all ihren Unwägbarkeiten und Risiken?
Florian Schneider:
Da gibt es mehrere Gründe. Ich bin Burghauser, überzeugter Burghauser und kannte natürlich von klein auf das Unternehmen Kreutzpointner und da habe ich im Jahr 2000 die Chance ergriffen, hier mit an Bord zu gehen. Ich habe wie Fritz Kreutzpointner das Potenzial im Familienunternehmen gesehen, im Team, in der Verantwortung, im Mittelstand, in der Technik, aber auch in den anstehenden Möglichkeiten, so nahe an der Industrie.

Stichwort – Nähe zur Industrie. War diese Nähe zu den Leitbetrieben im Bayerischen Chemiedreieck ausschlaggebend für den Ausbau der bestehenden Zentrale? Hätte sich nicht ein Neubau im Großraum München angeboten?
Fritz Kreutzpointner:
Seit 1923, also fast seit 100 Jahren ist das Unternehmen Kreutzpointner in Burghausen ansässig und hat hier gebaut: 1923, 1956 und 1987. Und ganz ehrlich, Burghausen ist einfach eine charmante, kompetente Stadt mit unglaublich tollen Wirtschaftsperspektiven, die ihresgleichen suchen. Trotzdem dürfen wir aber nicht vergessen, dass unser Unternehmen Dreiviertel der gesamten betrieblichen Leistung oft hunderte Kilometer entfernt mit sehr  engagierten Fachkräften erbringt. Und sollten wir in den kommenden zehn Jahren weiterhin so erfolgreich sein, dann wird sich die Modulbauweise unserer Zentrale bewähren. Wir können dann noch erweitern.

Kreutzpointner ist mittlerweile der größte private Arbeitgeber außerhalb der Industrie in Burghausen. Gibt es da nicht Probleme, genügend Fachkräften zu finden?
Florian Schneider:
Ein Mangel an Fachkräften herrscht überall. Und es trifft auch zu, dass wir stets auf der Suche nach guten Leuten sind. 30 bis 50 Fachkräfte könnten wir auf der Stelle engagieren. Wir haben aber nicht nur den Ansatz, dass wir suchen, sondern dass wir stark auf Ausbildung setzen und auf Entwicklungsmöglichkeiten der Mitarbeiter im Unter- nehmen, um ihnen eine Perspektive zu geben und sie zu halten. Und das gelingt.
Fritz Kreutzpointner: Wir bieten unseren Mitarbeitern ein sehr ordentliches Angebot,  angefangen von der Ausbildung über leistungsgerechten Lohn bis hin zu Altersteilzeit und betrieblicher Vorsorge. Und nicht zu vergessen, die Chancen in der Personalentwicklung. Von den gut 70 Auszubildenden im Unternehmen hat jeder eigene Interessen und Stärken. Die wollen wir gemeinsam entwickeln, auch mit Blick auf den notwendigen Teamgeist und die hohen Qualitäts- und Sicherheitsansprüche unserer Kunden. Es gibt viele gescheite und tüchtige Leute am Markt, die werden wir finden und die brauchen wir.
Florian Schneider: Das schaut dann in der Praxis so aus, dass die einen lieber in technischen Lösungen und Aufgaben auf der Baustelle ihre Berufung sehen, andere in Führungsverantwortung oder Planung. Die Aufgaben in unserem Unternehmen sind so vielfältig, dass sich die Mitarbeiter ganz nach ihren Neigungen und Fähigkeiten entwickeln können. Kreutzpointner bietet dazu nicht nur die Möglichkeiten, sondern gibt auch Hilfestellung in der Weiterbildung.

Aber kann denn allein die Stadt Burghausen den Bedarf an Nachwuchs decken? Ist es nicht für Jugendliche aus der Umgebung ein Problem, den Ausbildungs- und Arbeitsplatz zu erreichen, bevor sie einen Führerschein haben?
Fritz Kreutzpointner:
Da finden sich in der Regel Mitfahrgelegenheiten bei Kollegen oder bei Werksbuslinien. Wir suchen da sehr kreativ nach Möglichkeiten und helfen gerne mit.

In welche Richtung wird sich denn Kreutzpointner weiterentwickeln? Angesichts der erreichten Größe und der wachsenden Herausforderungen in der Technik hat die Frage eine Vielfalt an Komponenten.
Fritz Kreutzpointner:
Mit Blick auf die Geografie werden vor allem der Großraum des Bayerischen Chemiedreiecks, aber auch Bayern mit dem Großraum München, dem benachbarten Österreich und schließlich ganz Deutschland im Mittelpunkt stehen. Hier  gibt es tolles Wachstumspotenzial und vertraute Geschäftsgepflogenheiten. Aber auch Österreich und Rumänien haben sich in der jüngsten Vergangenheit gut entwickelt. Für ausgesuchte Stammkunden sind wir auch weltweit unterwegs.

Welche Rolle spielt denn inzwischen der Flughafen München?
Fritz Kreutzpointner:
Neben der Industrie als langjähriger Kundschaft ist der Flughafen München seit Jahrzehnten unser Partner. Das ist eine großartige Referenz seit 30 Jahren. Wir haben dort eine eigene Niederlassung mit ordentlicher Grundauslastung und schauen auch mit großem Interesse auf die Pläne, unmittelbar am Flughafen den Innovationspark „LabCampus“ zu errichten. Das könnte für uns nicht nur ein interessanter Markt, sondern auch ein möglicher Standort für ein eigenes Unternehmen sein.

Selbst ein Sprung in die Gründerszene?
Fritz Kreutzpointner:
Warum nicht? Ein HighTech-Umfeld mit etablierten und erfahrenen Unternehmen, neue Technologien und Entwicklungsansätze, dazu auch völlig neue unternehmerische Ideen, da können sich neue Ansätze ergeben. Das werden wir nicht aus den Augen verlieren.

Und wie schaut es mit den fachliche Herausforderungen aus: Die Thematik und Technik wird immer komplexer.
Florian Schneider:
Das trifft zu. Aber hier kommen eine solide Ausbildung und die Flexibilität und Leidenschaft im Handwerk und in der Ingenieurtechnik mit ins Spiel. Wir müssen uns immer wieder neuen Herausforderungen stellen und individuelle Lösungen anbieten: Digitalisierung, Automatisierungstechnik, neue Möglichkeiten in der Kommunikation, in der Mess- und Regeltechnik – das sind Felder, die begleiten wir seit Jahrzehnten. Und das wird auch für die Zukunft gelten.
Fritz Kreutzpointner: In unseren Geschäftsbereichen mit der Gebäude- und Industrietechnik, mit Engineering, moderner IT und vor allem in der Verknüpfung der Kompetenzen, da sehen wir uns sehr zukunftsträchtig aufgestellt. Der Trend geht zu noch mehr Anlagenkomplettservice bei Automatisierung und modernster Messtechnik. Aber die Herausforderung liegt vor allem auch in den Qualitätsstandards, an die wir unsere Mitarbeiter von der Ausbildung her heranführen. Auch die Schnelllebigkeit in den kaufmännischen Ansprüchen stellt ihre Herausforderungen. Hier kommt es uns auf einen ausgewogenen Teamgeist und flache Hierarchien im Unternehmen an. So können wir auch saisonale Spitzen bei Großprojekten oder bei Shutdowns abfedern.

Und wie schaut es mit konkreten Wachstumszielen in Zahlen aus. Gibt es da Vorgaben?
Fritz Kreutzpointner
: Wir wollen in jedem Fall sinnvoll und von innen heraus wachsen und stabile Zahlen liefern, keine Ankündigungen. Wertschätzung für Leistung steht im Mittelpunkt.

Sehen Sie denn Potenzial für das Unternehmen in der Elektromobilität?
Fritz Kreutzpointner:
Wir werden mit Sicherheit kein Autoproduzent, aber im Peripheriebereich mit HighTech-Installationen sehe ich gute Chancen.

Und wie schaut es mit den regenerativen Energien aus?
Fritz Kreutzpointner:
Da sind und bleiben wir dran. Ich glaube, hier liegt eine große Verantwortung. Aber die Märkte sind noch in Findung. Die politischen Rahmenbedingungen sind noch zu unsicher, entsprechend nehmen Großkunden noch nicht so richtig gemäß ihrer Möglichkeiten am Markt teil.

Wie schätzen Sie denn das Potenzial durch den Hochschulcampus am Standort Burghausen für Fachkräfte bzw. durch die  HTL  in  Braunau und in Salzburg-Itzling ein?
Fritz Kreutzpointner:
Hervorragend. Das gilt für den Hochschulcampus wie für die HTLs im Nachbarland, die seit Jahrzehnten eine gute Basis für das Hightech-Handwerk liefern.
Florian Schneider: Auch durch den geplanten Studiengang mit dem Arbeitstitel „Chemtronic“ erwarten wir uns qualifizierten Nachwuchs für anspruchsvolle Aufgaben, mit gutem Entwicklungspotenzial im Unternehmen.

Noch eine sehr persönliche Frage: Herr Kreutzpointner, haben Sie nicht doch manch- mal einer weiteren Sport-Karriere im Cockpit oder Renn- Management nachgetrauert? Oder wenigstens einen sehr sportlichen Dienstwagen?
Fritz Kreutzpointner:
Also mit gutem Gewissen, den Einstieg ins Familienunternehmen habe ich nie bereut und ich bin die meiste Zeit im Jahr mit lieferwagenähnlichen Fahrzeugen und korrekt im Sinne der Straßenverkehrsordnung unterwegs. Aber: Ja. Einen PS- starken Wagen für die Rennpiste habe ich noch. Aber der wird nur ein paar Mal im Jahr und dann auf dem Salzburgring bewegt.

Und wird man Sie dann in 20 Jahren als Patriarch im Unternehmen sehen?
Fritz Kreutzpointner: Nein, mit Sicherheit nicht. Da sehe ich den Nachwuchs in der Familie, aber auch das Unternehmen als Team zu gut aufgestellt. Mir ist nicht bang, dass sich da nicht eine passende Herausforderung findet.
Und Sie Herr Schneider?
Florian Schneider:
Mir auch nicht. Ich bin noch nie spannenden Herausforderungen aus dem Weg gegangen.

Das Interview für Heimatwirtschaft führte Ernst Deubelli.

Quelle: Alt-Neuöttinger Anzeiger/Passauer Neue Presse